Weinbergschnecken halten Einzug ins Museumsdorf
Weichtiere mit oberschwäbischer Geschichte
„In diesem Jahr sind die Weinbergschnecken wegen des fehlenden Regens später dran“, erläutert Petra Schneider. „Aber man merkt ihnen schon nach wenigen Minuten an: Die Schnecken fühlen sich in ihrem neuen Heim direkt wohl.“
Und warum zeigt das Museumsdorf ausgerechnet Schnecken? „Tiere gehörten früher einfach zum Leben im Dorf dazu – auch wenn man dabei sicher nicht als erstes an Weinbergschnecken denkt“, schmunzelt Museumsleiter Dr. Jürgen Kniep. „Dass Weinbergschnecken früher gesammelt, gemästet und verkauft wurden, ist weithin vergessen. Wir freuen uns, dass wir unseren Besucherinnen und Besuchern nicht nur interessante Tiere zeigen, sondern auch spannende Geschichten erzählen können.“
Vor allem im 18. Jahrhundert waren Schneckengärten auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben verbreitet. Viele Klöster nutzten Schnecken als Fastenspeise, da sie der katholischen Kirche nicht als Fleisch galten. Für die Klosterherrschaft Ochsenhausen sind Schneckengärten bereits um 1805 belegt.
In Wien als „Schwäbische Auster“ gerühmt
Im Herbst verschließen Weinbergschnecken ihre Häuser für die Winterruhe mit einem Kalkdeckel. Sie wurden dadurch gut transportierbar, was man sich damals zunutze machte: Von Ulm aus wurden sie in großen Mengen über die Donau bis nach Wien verkauft, wo sie als „Schwäbische Auster“ bekannt waren. 1786 sollen rund vier Millionen Schnecken gehandelt worden sein.
Im 19. Jahrhundert ging die Nachfrage stark zurück. In Oberschwaben hielt sich nur noch das Schneckenessen am Aschermittwoch als ein Brauch, der zum Teil bis heute gepflegt wird. Der Weg in die Küche droht den Tieren im Museumsdorf aber nicht. Bis sich die Tiere im Spätjahr in ihre Häuser zurückziehen, können sie von den Besucherinnen und Besuchern im neuen Schneckengarten beim Fressen, Kriechen und Lieben beobachtet werden – und all das natürlich in einem sehr gemächlichen Tempo.
Bildunterschrift:
Im neuen Schneckengarten im Museumsdorf Kürnbach sind 100 Weinbergschnecken eingezogen.
Bild: Landratsamt