Männer und ihre Maschinen
Im Gespräch mit Edmund Gresser und Johannes Lang
Im Gespräch mit Edmund Gresser und Johannes Lang
Johannes Lang von den Schlepperfreunden Federbach-Schussen und Edmund Gresser von den Oldtimer-Freunden Michelwinnaden sammeln Oldtimer-Schlepper. Sie sind damit Teil einer erstaunlich großen Community: Alleine in den Landkreisen Biberach und Ravensburg sind heute gut 20.000 Oldtimer-Schlepper zugelassen. Wir haben mit den beiden über ihre Begeisterung gesprochen.
Johannes, Edmund, mit wie viel Pferdestärken seid Ihr denn heute hergekommen?
Johannes Lang: Ich bin mit meinem Ursus von 1957 mit 45 PS gekommen. Das war damals eigentlich eine polnische Raubkopie, da wurde nämlich vor über 60 Jahren ein Lanz Mannheim nachgebaut.
Edmund Gresser: Genauso einen habe ich auch. Deshalb habe ich heute meinen HeLa D47 mitgebracht. Der Motor ist aus dem Jahr 1948 und der Traktor ist von 1949. Was mir daran am besten gefällt: Ich bin überhaupt erst der zweite Besitzer dieses Schleppers.
HeLa und Ursus – sind das für Oberschwaben typische Modelle?
Edmund: Natürlich war der HeLa rund um Aulendorf besonders stark verbreitet – immerhin hat der namengebende Hermann Lanz sie ja dort herstellen lassen. Und in Oberschwaben gab es schon regionale Unterschiede, wobei das in den meisten Fällen eher mit großen Händlern und örtlichen Traditionen zu tun hatte: In Saulgau wurden viele Bautz genutzt, rund um Riedlingen war der Fahr populär.
Johannes: Porsche-Traktoren beispielsweise waren rund um Aulendorf eher selten, im südlichen Oberschwaben aber schon verbreitet. Und der Ursus, den ich heute fahre – das war damals schon ein Exot.
In den Landkreisen Ravensburg und Biberach gibt es heute weniger als 4.000 landwirtschaftliche Betriebe, dafür aber gut 20.000 Oldtimer-Schlepper. Warum begeistern alte Traktoren denn so sehr?
Edmund: Also zu den Zahlen: Ich alleine habe ja schon 13 Schlepper …
Johannes: So viele müssten es bei mir auch sein! (lacht) Also, woher kommt die Begeisterung? Ich würde sagen: Das ist vor allem die Freude an der Technik. Eigentlich sind es drei Sachen, die einem Sammler bei Oldtimer-Schleppern richtig Spaß machen: Erstens den Wunsch-Schlepper finden, zweitens ihn zu reparieren und restaurieren – und drittens ihn dann natürlich auch zu zeigen.
Edmund: Das Zeigen hat während Corona arg gefehlt, es gab ja 2020 und 2021 so gut wie keine Schleppertreffen und deshalb auch keinen Kontakt zu anderen Schlepperfans. Wie schön es da alleine war, heute den HeLa anzuwerfen und ins Museumsdorf zu fahren!
Johannes: Ganz ehrlich: Das ging mir auch so. Ich habe mich richtig gefreut!
Bei Schleppertreffen geht es also nicht nur um Sehen und Gesehen-werden?
Johannes: Natürlich möchte man seinen eigenen Schlepper herzeigen und es ist auch immer interessant, andere Oldtimer-Schlepper zu sehen. Aber es geht bei den Schleppertreffen auch um die Gemeinschaft, dass man Leute mit dem gleichen Interesse treffen kann ...
Edmund: … und sich mit ihnen austauschen kann, wenn man zum Beispiel Fragen oder Probleme bei Reparaturen hat. Oder wenn man auf der Suche nach jemanden ist, der einem bei der Reparatur seines Schleppers helfen kann.
Stören dann etwa Besucherinnen und Besucher beim Kürnbacher Schleppertreffen, die gar keinen eigenen Oldtimer besitzen?
Edmund: Nein, ganz im Gegenteil. Es macht immer Spaß, Besuchern ohne Oldtimer-Erfahrung die alte Technik zu zeigen und zu erklären.
Johannes: Absolut. Bei den alten Maschinen kann man noch sehr vieles von außen sehr anschaulich erläutern. Für viele Besucher sind das echte Aha-Erlebnisse. Den Effekt erzielt man bei Oldtimer-Sammlern, die selber schrauben, natürlich nicht mehr.