Frauen unter Volldampf: "Für mich ist es das schönste Treffen im Jahr!"

Im Gespräch mit Beatrix Lauffer und Carolina Schriever

Beim Kürnbacher Dampffest können Besucher*innen große und kleine Dampfmaschinen bestaunen, wie sie schnaubend ihre Runden durchs Museumsdorf drehen. Am Steuer der tonnenschweren Ungetüme stehen dabei seit Jahren auch zwei Frauen: Beatrix Lauffer aus Villingen-Schwenningen und die Niederländerin Carolina Schriever. Wir haben mit den beiden Dampfmaschinistinnen über ihre Leidenschaft gesprochen.

Dampfmaschinen sind ja ein eher ungewöhnliches Hobby. Beatrix, Carolina, woher kommt eure Begeisterung?
Beatrix Lauffer: Ich war vor Jahren auf der Suche nach einer Beschäftigung, die ich trotz meiner körperlichen Einschränkungen machen konnte und die einen Ersatz für alles schafft, worauf ich dadurch in meinem Leben verzichten muss – und da kam die Dampfmaschine gerade recht. Für mich ist die Dampfmaschine inzwischen mehr als ein Hobby, das ist mein Leben.
Carolina Schriever: Ich liebe Geschichte und war schon als Kind mit meinen Eltern auf Dampftreffen. So eine alte Maschine zu sehen mit dem Rauch und dem Öl – da passiert etwas mit einem. Dass man die ohne Schlüssel anmachen und zum Fahren bringen kann, ist für mich ein echter Kick.

Wie genau funktioniert denn so eine Dampfmaschine?
Beatrix: Das Wichtigste ist das Wasser im Kessel. Dann braucht die Maschine Öl und man macht mit Holz oder Kohle ein Feuer in der Feuerbüchse.
Carolina: Sobald das Wasser kocht, entsteht Dampf. Wenn man dann die Dampfventile öffnet, gelangt der Dampf in die Maschine und drückt die Kolben vor und zurück …
Beatrix: … das setzt die Zahnräder in Bewegung und die Maschine fährt los.

Für uns Nicht-Dampfmaschinist*innen, die sonst nur Auto fahren: was gibt es beim Fahren einer Dampfmaschine zu beachten?
Beatrix: Das Bremsen. (lacht)
Carolina: Es gibt keine „normale“ Bremse wie beim Auto, wir bremsen mit Gegendampf. Deshalb hat so eine Dampfbremse keinen Bremsweg, die Maschine bleibt sofort stehen. Entsprechend muss man mit Gefühl abbremsen.

Dampfmaschinistin auf Dampfmaschine

Welche Art von Dampfmaschinen besitzt ihr beiden?
Carolina: Ich habe einen Dampftraktor „Lena“ von Wallis & Stevens aus England aus dem Jahr 1905. Davon gibt es weltweit nur noch fünf Exemplare. Ursprünglich gehörte er einem Kohlehändler, der damit Kohle von Haus zu Haus brachte. Danach wurde er bis 1935 in einem Holzwerk eingesetzt.
Beatrix: Meine Maschine ist eine Dampfzugmaschine „Cheddco“ von Fowler aus England, Baujahr 1937. Leider habe ich das Kesselbuch nicht, das ging vermutlich im Krieg verloren, deshalb weiß ich nur sehr wenig über die Geschichte.
Carolina: Ich habe tatsächlich alle Informationen vom ersten Eigentümer bis heute, inklusive der Monteursberichte.

Wie seid ihr denn zu euren Maschinen gekommen?
Carolina: Ein Freund rief mich an, weil er erfahren hatte, dass „Lena“ zum Verkauf stand. Er fragte mich, ob ich Interesse hätte, ich habe „ja“ gesagt, er hat aufgelegt – und ich wusste nicht, ob ich gerade am Telefon einen Dampftraktor gekauft hatte. (lacht) Kurz vor Ostern 2000 bin ich dann nach England gefahren und habe die Maschine auf dem Tieflader mit nach Hause genommen.
Beatrix: Ich war 1992 zum ersten Mal bei der Dorset Steam Fair, dem größten Dampffest in England. Dort habe ich erfahren, dass der „Cheddco“ zum Verkauf steht. Und seit dem 9. Oktober 1999, 16 Uhr englischer Zeit ist er in meinem Besitz! (lacht)

Fahrt ihr denn mit euren Dampfmaschinen auch außerhalb von Treffen?
Beatrix: Kürzlich bin ich in die Dorfmitte gefahren, um mir dort einen Leberkäswecken zu holen. Dafür habe ich drei Stunden lang angefeuert.(lacht) In der Regel fahre ich aber nur etwa drei Mal im Jahr, die Inbetriebnahme ist einfach sehr aufwändig.
Carolina: Ich hatte meinen Sohn schon als Baby im Kindersitz auf der Kohlebüchse mit dabei und mittlerweile haben er und seine Freunde Miniaturdampfmaschinen. Gemeinsam machen wir Ausflüge in der Umgebung.

Was müsst ihr für Eure Leidenschaft tun?
Beide: Viel!
Carolina: Ich bin zweimal umgezogen, weil wir eine größere Garage gebraucht haben. Außerdem habe ich den Lkw-Führerschein
gemacht und mir einen Truck gekauft. Die Maschine muss ja irgendwie zu den Dampftreffen kommen – alleine für das Kürnbacher Dampftreffen fahre ich jedes Jahr 800 Kilometer.
Beatrix: Platz habe ich zum Glück, aber man braucht zum Beispiel eine eigene Drehmaschine und eine Fräsmaschine, ohne geht das nicht. Viele Reparaturen machen wir selbst, es gibt nicht mehr viele Menschen, die wissen, wie das geht.

Dampfmaschinistin auf Dampfmaschine

Beim Kürnbacher Dampffest seid ihr beiden die einzigen Frauen. Wie sind da die Reaktionen?
Carolina: Ich bin schon seit vielen Jahren auf Dampftreffen, die anderen Maschinisten kennen mich also.
Beatrix: Wir haben beide Männer als Mitfahrer. Zu zweit ist es einfach entspannter und schöner. Als ich jünger war, haben Besucher oft meinen Mitfahrer gefragt, ob das auch wirklich stimmt, was ich ihnen da erkläre.
Carolina: Ja, die Besucher machen schon manchmal große Augen, wenn sie eine Frau auf einer Dampfmaschine sehen.

Was ist das Besondere für euch beim Kürnbacher Dampffest?
Beatrix: Besonders schön finde ich, dass hier Miniaturen und Großmaschinen zusammen sind. Die Besucher haben Respekt und halten Abstand zu den Maschinen, da können wir stressfrei fahren.
Carolina: Das Schöne ist das Ambiente mit den historischen Häusern, das passt einfach. Die Besucher sind sehr freundlich und viel interessierter als anderswo. Für mich ist es das schönste Treffen im Jahr!