„Feuer und Wasser sollen es biegen“
Im Gespräch mit Küfer Josef Gerner
Im Gespräch mit Küfer Josef Gerner
Vom kleinen Kübel bis zum riesigen Fass: Gefäße aus Holz waren früher im Dorf unverzichtbar. Hergestellt wurden sie vom Küfer. In seinem Handwerk ist Präzisionsarbeit gefragt: Die einzelnen Bretter, die sogenannten Dauben, müssen auf den Zehntelmillimeter passen, sonst ist das Fass undicht. Im Museumsdorf wird dieses besondere Handwerk heute noch von Küfer Josef Gerner aus Reinstetten gezeigt.
Herr Gerner, was stellt ein Küfer denn genau her?
Josef Gerner: Wir Küfer stellen Fässer und Bottiche aus Holz her, aber auch Pflanzkübel, Krautstanden oder Fleischpressen. Hinter dem Kürnbachhaus sieht man auch noch ein altes Güllefass aus Holz, auch das haben Küfer hergestellt. Sowas ist aber ein richtiges Großprojekt, das schafft man nicht alleine.
Wofür wurden die Gefäße früher genutzt?
Das waren hauptsächlich Vorratsbehältnisse. Im Herbst hat man früher ja Vorräte für den Winter angelegt – Kraut, Fleisch und sogar Eier wurden in Fässern eingelegt und darin gelagert. Heute nutzt man Holzfässer vor allem noch für Wein, in Oberschwaben aber eher für Most (lacht). Als ich mit dem Handwerk begonnen habe, haben mein Vater und ich im Jahr noch zwischen 40 und 50 Mostfässer gefertigt.
Haben Sie das Handwerk auch von Ihrem Vater gelernt?
Ja, genau, er hat mir das Handwerk ab 1964 nähergebracht, da war ich gerade mal 14 Jahre alt. Elf Jahre später ist er dann verstorben und seitdem übe ich nebenberuflich das Küferhandwerk aus. Heute gibt es das Handwerk fast gar nicht mehr, das stirbt immer mehr aus. Meinen Enkeln versuche ich das Wissen weiterzugeben.
Auf was kommt es denn vor allem bei Ihrem Handwerk an?
Mmh, ich denke vor allem auf Genauigkeit, aber auch auf das Material. Vor allem zum Hobeln ist es wichtig, gut gelagertes und gerade gewachsenes Holz ohne Äste zu verarbeiten. Es ist ein schwerer Beruf, abends ist man ganz schön müde nach getaner Arbeit (lacht).
Und wie genau wird so ein Fass hergestellt?
Also, so ein Fass zu bauen, ist ganz schön viel Aufwand, das sind über 40 Arbeitsschritte. Die einzelnen Bretter heißen Dauben. Bei einem guten Fass sind die aus Eichenholz.
Vereinfacht gesagt geht das dann so: Zuerst schneidet man die Dauben zu, dann werden sie mehrfach gehobelt – wir Küfer sagen: Sie werden gefügt. Anschließend stellt man sie in einem Eisenband, dem Fassreif, zusammen und klopft sie fest. Alleine dazu bräuchte man eigentlich drei Hände (lacht)! Danach kommt das Schwierigste, das ist das Biegen der Dauben. Dann kommen noch weitere Arbeitsschritte, wie innen und außen hobeln, den vorderen und den hinteren Boden anfertigen und einsetzten. Schließlich werden neue Reifen angemessen und angebracht, erst dann ist das Fass fertig.
Wenn Sie hier in Kürnbach sind, raucht es oft. Woher kommt denn das?
Da zeige ich den Besuchern, wie man das Fass biegt: „Feuer und Wasser sollen es biegen“, heißt es nämlich bei uns Küfern. Dazu mache ich im Fass ein Feuer und spritze das Holz von innen und außen nass. Der Wasserdampf lässt das harte Eichenholz dann weich werden und so kann ich die Dauben mit dem Fassseilzug in Form biegen. Wichtig dabei ist, dass man das Feuer mit den Spänen und dem Restholz von der Fassherstellung macht, sonst verändert sich der Geschmack.
Was ist für Sie die größte Herausforderung bei Ihrem Handwerk?
Das Biegen der Dauben. Vor zwei Jahren sind mir beim Biegen ein Drittel der Dauben gebrochen. Sowas tut einem in der Seele weh! Ich konnte mit der ganzen Arbeit von vorne anfangen, und weil die Dauben bereits etwas gebogen waren, konnte ich keine einzige nochmal verwenden.
Was ist das Schönste, wenn Sie Ihr Handwerk hier im Museum zeigen?
Die interessierten Besucher! Ganz viele Leute bleiben stehen, stellen Fragen und schauen eine ganze Weile zu. Zum Teil versuchen sie sich auch selbst mal am Hobel. Die merken dann schnell, so einfach ist das gar nicht. Außerdem sind oft noch meine Enkel mit dabei, dann macht das Zeigen des Handwerks noch mehr Spaß.
Auch meine Kundschaft kommt aus der größeren Umgebung von Kürnbach. Vor zwei Jahren habe ich hier ich zum Beispiel einen Auftrag für zwei 150-Liter-Fässer bekommen.
Wie lange arbeiten Sie denn, bis ein Fass fertig ist?
Für ein Fass brauche ich ungefähr 30 bis 50 Stunden, je nach Größe. Ich mache die Arbeit nicht wegen des Verdienstes, sondern um das Handwerk am Leben zu erhalten – und natürlich, weil es mir Spaß macht (lacht).