"Ich trage mein Handrohr ja nicht nur als Deko mit mir herum!"

Im Gespräch mit Brigitta und Michael Wald

Bunt, wild, verwegen:

Vor 500 Jahren kämpften die Landsknechte im Bauernkrieg als Söldner in Oberschwaben. Heute gibt es zahlreiche Gruppen, die das Landsknechte-Leben originalgetreu nachempfinden, mit Lagerleben, Waffenklirren und Schlachtengebrüll. Für Brigitta und Michael Wald aus Munderkingen sowie Hunderte Gleichgesinnte gibt’s dafür keinen schöneren Ort als das Museumsdorf.

Brigitta und Michael, ihr gehört zu den „Freien Landsknechten zu Munderkingen“, die auch im „Bund Oberschwäbischer Landsknechte“ (BOL) sind. Was genau macht ihr denn da?
Brigitta: Der Bund Oberschwäbischer Landsknechte ist ein Zusammenschluss von 34 historischen Gruppen und Vereinen aus sechs europäischen Ländern. Wir haben rund 1.000 aktive Mitglieder und machen „Living History“, das heißt wir zeigen, wie der Alltag und das Militär der Landsknechte waren. 
Michael: Uns geht’s dabei nicht nur um theoretisches Wissen, sondern wir versuchen, die Zeit aktiv zu leben und nachzuempfinden. Das heißt: Wir stellen bei Veranstaltungen Belagerungen, Schlachten, Kampfszenen oder das Lagerleben nach.

Wie wichtig ist euch denn bei der Kleidung und den Waffen die historische Genauigkeit? 
Brigitta: Darauf legen wir sehr großen Wert. Meine Waffe beispielsweise, ein sogenanntes Handrohr, hat unser Schmied nach historischem Vorbild angefertigt. Wenn du zwar korrekte historische Klamotten anhast, aber die Armbanduhr am Handgelenk und die moderne Brille auf der Nase, wirkt das nicht mehr authentisch. 
Michael: Auch beim Lagerleben achten wir auf die Geschichte. Da trinke ich natürlich nicht aus der Plastikflasche, sondern aus meinem Zinnkrug. Der Ehrlichkeit halber müssen wir aber zugeben: Hinten im Zelt verstecken wir einen Kühlschrank – das Bier schmeckt uns kalt halt doch besser (lacht).

Vier Landsknechte mit Kanone im Museumsdorf Kürnbach
Brigitta, du sagst, ihr habt einen eigenen Schmied …
Brigitta: Richtig. So ein Landsknechte-Heer bestand ja nicht allein aus den Soldaten. Da waren immer der sogenannte Tross und Gesinde, also auch Frauen und Kinder, mit dabei. Verschiedene Handwerker wie der Schmied, die im Alltag dringend gebraucht wurden, fanden sich da ebenfalls. Der Tross war oft größer als das Heer selbst.
Michael: Wenn wir uns treffen, haben wir oft neben dem Waffenschmied einen Korbmacher, Lederer, Gewandmacher oder eine Näherin als historische Handwerke dabei.

Welche Rollen hatten denn Frauen bei den Landsknechten?
Michael: Als Teil des Trosses waren sie für die Verpflegung der Soldaten zuständig. Frauen haben aber auch die Verletzten versorgt. Bei unseren Schlachten haben die Frauen auch heute immer eine Tasche mit Druckverbänden dabei, falls es kleinere Verletzungen gibt.
Brigitta: Manchmal schleppen wir auch aus Gaudi einen aus dem Getümmel raus und verpassen ihm einen Druckverband – das finden die Zuschauer immer sehr unterhaltsam. Von diesen Aufgaben abgesehen, haben Frauen aber auch bei den Landsknechten mitgekämpft. Ich trage mein Handrohr ja nicht nur als Deko mit mir herum (lacht). 

Was genau erwartet uns denn, wenn die Landsknechte ins Museumsdorf kommen?
Michael: Da werden rund 500 Landsknechte ihre Zelte aufschlagen und drei Tage im Feldlager leben. Darauf freue ich mich jetzt schon! Wir üben beim Waffendrill den Umgang mit den historischen Waffen, von der Hellebarde über das Kurzschwert bis hin zu den Kanonen. Wir wollen ja keine ernsthaften Verletzungen, also muss jeder die Befehle kennen und wissen, was er tut.
Brigitta: Der Höhepunkt neben Lagerleben und Waffendrill ist die große Schlacht am Sonntag. Da wird dann ungefähr zwei Stunden lang gekämpft und geschossen bis keiner mehr steht (lacht).

Das Handrohr ist ja schon beeindruckend, aber, Michael, du besitzt ja sogar eine Kanone. Die bringst du doch hoffentlich auch mit, oder? 
Michael: Selbstverständlich! Es gab früher bei den Landsknechten verschiedene Waffengattungen, nach denen die Soldaten organisiert waren. Diese Strukturen stellen wir im BOL nach. Die Kanoniere standen in der Rangordnung ganz oben. Das ist bei so einer Waffe auch kein Wunder – so eine Kanone wie meine schießt bis zu zweihundert Meter weit.
Brigitta: Ich selbst habe als Frau im Tross angefangen, aber mittlerweile bin ich auch beim kämpfenden Trupp dabei. Da ist natürlich richtig was geboten! Ich freue mich auch schon sehr auf unser Treffen in Kürnbach, das Drumherum mit den alten Bauernhäusern ist einzigartig. Und für die Besucherinnen und Besucher gibt’s jede Menge zu sehen!